Psychisch krank im Studium: Verlängerung der Anspruchsdauer für Studienförderung dank AK

Psychisch krank im Studium: Verlängerung der Anspruchsdauer für Studienförderung dank AK
Foto: Pixabay

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Die Vorstellung von Studierenden, die tagsüber in der gemütlichen Hängematte liegen und sich die Nächte feiernd um die Ohren schlagen, hält sich hartnäckig. Mit der Realität hat sie allerdings nichts zu tun. Ein Blick in die Studierendensozialerhebung 2011 zeigt, dass 45 % der Studierenden durch psychische Beschwerden beeinträchtigt sind. Mit anderen Worten: Fast die Hälfte aller Studierenden leidet unter psychischen Beeinträchtigungen bis hin zu depressiven Verstimmungen.

Naheliegend, dass diese psychische Belastung in der Konsequenz zu einer Verlängerung der Studiendauer führen kann. So gaben laut Sozialerhebung über 50 % der Studierenden, die länger als die Regelstudiendauer brauchen an, dass sie unter psychische Beschwerden leiden.

Verlängerung der Bezugsdauer von Studienförderung

Wenn eine psychische Erkrankung vorliegt, diese fachärztlich bestätigt ist und die Erkrankung wesentlich ist für die längere Studiendauer, wird die Anspruchsdauer gem. § 19 StudfG verlängert.

Wurde dieser wesentliche Zusammenhang von der Stipendienstelle Linz bisher analog einer physischen Erkrankung nur gesehen, wenn sich der Studienerfolg NACH der fachärztlichen Bestätigung verschlechtert hat, hat sie nun umgeschwenkt und sich der Argumentation der Arbeiterkammer Oberösterreich angeschlossen:

„Im Gegensatz zu einer physischen Erkrankung,  bei der ein Arztbesuch häufig am Beginn der Erkrankung steht und die ärztlich verordnete Therapie und der Heilungsprozess zu einer Unterbrechung des Studiums  bzw. einer Verschlechterung des Studienverlaufs führen können, ist dies bei einer psychischen Erkrankung umgekehrt: Die Krankheit zieht sich häufig ohne ärztliche Unterstützung über Jahre, aus den unterschiedlichsten Gründen versucht die/der Kranke lange Zeit, die Krankheit ohne ärztliche Hilfe zu bewältigen. Erst wenn es der Leidensdruck nicht mehr anders zulässt, wird ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Ab diesem Zeitpunkt wird häufig durch entsprechende medikamentöse Hilfestellung eine schnelle und deutliche Besserung verzeichnet: Bei psychischen Erkrankungen markiert also der Gang zum Arzt häufig jenen Zeitpunkt, ab dem es deutlich besser wird

Die „Psychologische Studierendenberatung“ bietet übrigens bei Problemen kompetente Hilfe!

6 Responses auf “Psychisch krank im Studium: Verlängerung der Anspruchsdauer für Studienförderung dank AK”

  1. Lena

    Krass. Dass das Studium so viel leiden kann hätte ich mir nie vorgestellt. Etwas, das einem angeblich spaß machen muss, wird aber potenziell schädlich. Mein Freund studiert Maschinenbau an der TUM seit 4 Jahren und er hatte am Anfang extrem viel Druck, denn er würde rausgeflogen, wenn er die bestimmte Anzahl ECTS nicht schaffte. Er hats knapp geschafft und nach 2 Jahren ist er heute eine neue Person. Ich kann mich noch an diesen schlechten Zeiten gut erinnern und ich könnte sogar versichern, dass er in dem Moment eine Depression gehabt hat.
    Jetzt hat er wieder Druck im Master und ich hab nur Angst, dass er die gleiche Geschichte nochmal erfährt. Gestern hab ich mir bei https://www.psycheplus.de/beratung einen Psychologe ausgesucht und hab mit ihm telefoniert. Da ich die einzige bin, die bei ihm wohnt und ihn unterstützt, möchte ich gern wissen bzw. lernen, wie ich ihm bei solchen Situation helfen kann. Der Stress hat er auch damals auf die Beziehung bezieht, was ich wieder nicht so toll finden würde.
    Wäre es dann sinnvoll, dass er zum Psychotherapeut geht, damit er eine „Bestätigung von einer psychichen Erkrankung“ kriegt?
    Vielen Dank und liebe Grüße.

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    • Karin Ortner

      Liebe Lena, wenn er Studienförderung bezieht und sich die Studiendauer aufgrund der Erkrankung verlängert, kann dies durchaus sinnvoll sein. Bitte wenden Sie sich direkt an die Kolleginnen der AK-Bildungsberatung: 05 6906-1601 oder an Studienbeihilfenstelle. Viel Erfolg für Ihren Partner bei seinem Masterstudium.

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    • Karin Ortner

      Liebe Lena,
      Bedauerlicher Weise hatte ich überlesen, dass Sie in Deutschland daheim sind und die österr. Situation in Bezug auf Studienförderung leider keine Relevanz hat. Bitte erkundigen Sie sich bei den entspr. Behörden in D wie der Umgang mit Psych. Erkrankungen ist. Beste Grüße Karin Ortner

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  2. Lars

    Guten Tag, ich muss ihnen mitteilen das es es nicht nur den ach so lieben Studenten betrifft! In allen Berufsfeldern nehmen psychische Erkrankungen erschreckend zu! Ich würde im allgemeinen sagen es liegt einfach an der Gesellschaft…. Näher möchte ich nicht auf diese Thema eingehen, sie wissen bestimmt wo von ich rede. Aber ein guter Artikel, auch wenn sie ihn nicht nur für Studenten schreiben sollten….. MfG. Lars

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    • Karin Ortner

      Lieber Lars, vielen Dank für die positive Rückmeldung zu unserem Beitrag. Sie haben selbstverständlich leider völlig Recht, wenn Sie feststellen, dass psychische Erkrankungen generell zunehmen. Umso wichtiger sind möglichst vielfältige Angebote der Unterstützung und Hilfestellung.

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